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low carb - karu - 09.11.2008

hallo an alle fast fertigen ernährungswissenschafter!

wir alle wissen dass low carb diäten schlecht sind. wegen nierenschädigung, kalziurie, atherogenität, gicht, kanzerogenese... böse ketonkörper und so.

wenn euch nun ein ca. 50 jähriger mann (mit bäuchlein, also minimal übergewichtig) sagt dass das die beste diät überhaupt ist, dass sie toll funktioniert, dass er "eh 60g kohlenhydrate pro tag" essen darf, und dass er erfahrungsberichte von leuten kennt, die trotz langer low carb ernährung die allerbesten blutwerte haben (internetforen sind voll davon), was sag ich ihm dann um ihm zu erklären dass er das nicht machen soll?

ich habe jetzt relativ lange nach guten und wissenschaftlich fundierten infos zu dieser diät gesucht, nach langzeitstudien etc., aber nicht wirklich was gefunden. das internet ist voll von euphorischen berichten von diesen diäten, und selbst auf pubmed gibts nix gscheites.
in der mitschrift zur klinischen ernährung stehen zwar ein paar nebenwirkungen, aber ich brauchs eben ausführlicher. denn das low carb diät buch meines bekannten hat für jegliche bedenken eine "schlaue" antwort parat. und ich kanns nicht widerlegen weil mir die daten fehlen.

gute übung für alle: wer weiß was, bzw. woher bekomm ich verwertbare infos?!

danke und schönen sonntag!


RE: low carb - Irene09 - 09.11.2008

hallo
hast schon den text über eine Meta-analyse über low carb diäten gelesen : Review gibts auf www. dge.de
ich hab was über low carb geschrieben, finde die texte die ich gelesen habe nicht euphorisch, aber auch nicht negativ
low carb diäten sind meiner meinung nach nicht schädlich, aber auch nicht wirkungsvoller als andere diäten
und wenn jemand abnimmt und sich regelmäßig kontrollieren lässt ob alles ok ist, und es ist ok - warum sollte er auf eine andere diät umsteigen? aber natürlich ist es keine lebenslange gesunde Ernährung
vielleicht könntest du ihm ja sagen, dass er mal mit der diät aufhören muss, und dann wahrscheinlich wieder zunimmt, das es besser wäre gleich auf eine gesunde (nach dge-regeln) ernährung umzusteigen?


RE: low carb - Matthias - 18.12.2008

Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich solche Leute - die von etwas vom Hören/Sagen begeistert worden sind - durch wissenschaftliche Arbeiten in ihrer Meinung umschwenken. Denn, die Wissenschaft beschreibt allerhöchstens immer ein Risiko. Und Risiko ist der mögliche Eintritt eines Ereignisses; nicht der sichere.
Mit dem Rauchen ist es ja auch ähnlich: ich kenne niemanden, der das Rauchen nur wegen des hohen Risikos, das wissenschaftlich erfasst ist, an Krebs oder sonstigem zu erkranken, aufgegeben hat. Wenn es nur das Risiko alleine wäre, bräuchte man auch keine Entwöhungsprogramme u. dgl., weil's ja eh schwarz auf weiß am Papier steht.
Vermutlich am besten für die Argumentation contra Low-Carb ist, wenn du jemanden findest, der aufgrund einer solche Diät negative Erfahrungen gemacht hat, sprich eine von dir genannten Symptome bekommen hat.

Zudem könntest versuchen zu argumentieren, dass, wenn er seine Energiebilanz im Griff hat, dasselbe essen kann, wie jetzt - nur eben weniger. Das ist im Vgl. zu Low-Carb, das ja eine weitgreifendere Umstellung der Ernährung erfordert, möglicherweise ein contra-Argument.


RE: low carb - Slartibartfast - 18.12.2008

kannst ihm ja sagen dass es teuer ist ständig proteinreiche kost wie zb Fleisch zu kaufen und auch ökologisch betrachtet nicht so sinnvoll ist.

Ich bilde mir auch ein irgendwann mal in einer vo (physiologie?) gehört zu haben dass bei low carb mit der zeit ein gewöhnungseffekt oder so ähnlich eintritt und es dann nicht mehr so gut zum abnehmen geeignet ist. kannst ja mal schaun ob du da was konkretes darüber findest.


RE: low carb - Matthias - 19.12.2008

liberta schrieb:Persönlich esse ich sehr wenige kh da ich der meinung bin das kh-kostformen gesünder sind.
Ist das nicht ein ordentlicher Widerspruch in sich? Du ißt sehr wenige KH, bist aber der meinung, das KH-Kostformen (ich verstehe das als KH-hältig) gesünder sind?
Slartibartfast schrieb:kannst ihm ja sagen dass es teuer ist ständig proteinreiche kost wie zb Fleisch zu kaufen und auch ökologisch betrachtet nicht so sinnvoll ist.

Ich bilde mir auch ein irgendwann mal in einer vo (physiologie?) gehört zu haben dass bei low carb mit der zeit ein gewöhnungseffekt oder so ähnlich eintritt und es dann nicht mehr so gut zum abnehmen geeignet ist. kannst ja mal schaun ob du da was konkretes darüber findest.
Kann mir selbst schwer vorstellen, dass für eine Person, die - noch - keine gesundheitlichen Probleme hat, sich durch eine derartige Argumentation kannst ihm ja sagen dass es teuer ist ständig proteinreiche kost wie zb Fleisch zu kaufen und auch ökologisch betrachtet nicht so sinnvoll ist. in seinem Konsum beindrucken läßt. Denkst du in dem Moment, wenn du in die Leberkäsesemmel beißt, wieviele Tiere haben dafür sterben müssen, wieviel CO2 oder Methan in die Luft geblasen wurde, wieviel Wälder für das Futtermittel gerodet wurden? Mit Verlaub gesagt, denke ich, dass der Mehrheit der Bevölkerung das völlig egal ist.
Wir könnten das gleiche aufs Autofahren/verheizen fossiler Brennstoffe umlegen. Das betrifft weit mehr Leute, nämlich uns alle, dennoch steigt seit Jahren/Jahrzehnten der Verbrauch fossiler Brennstoffe in Österreich/Europa weit stärker, als die Bevölkerung. Die Art der Argumentation ist dieselbe, aber mal ehrlich: wieviele von euch würden mit dem Rad/zu Fuß fahren/gehen, unter der Annahme, Treibstoff ist so billig, wie Mineralwasser? Oder wer würde mit Trabbi fahren, wenn er zum gleichen Preis einen Rolls Royce bekommt? Verhalten und - nach aussen getragene - Einstellungen klaffen mitunter weit auseinander. Der Bundeskanzler wird natürlich immer sagen, er ist für Klimaschutz, für die Reduktion der Treibhausgase usw., fährt aber einen Audi A8, statt einem VW Polo oder so, der das x-fache weniger braucht, als der Audi.
Ich pers. verstehe es selbst nicht, wieso Menschen stets den monetären Druck benötigen, um in gewissen Bereichen umzudenken. (wieso sparen die Leute Energie - weil sie heute so teuer wie noch nie ist, nicht unbedingt, weil sie so knapp ist oder sonst was) Warum muß immer das Geld herhalten, um gescheiter zu werden?

Aber um auf das Low-Carb zurückzukommen. Abnehmen tut man anfangs meist schnell - wenn'st einen Haufen Wasser verlierst und die Glykogenspeicher leer werden. Das ist ja ein - für denjenigen, der abnhemen will - positiv. Wie wir alle schon mehrfach im Studium gehört haben, bindet Glykogen reichlich Wasser. Und Wasser ist sogar schwerer als das Fett, also um nur abzunehmen, ich meine hier bewußt, das Gewicht auf der Waage zur Reduzieren (der Zeithorizont spielt mal keine Rolle), doch optimal. Außerdem entsinnt es meiner Vorstellung, wieso man Nährstoffe, die vom Energiegehalt eher niedrig sind, streichen/massivst einschränken soll? Man kann doch auch von "High-Carb" leben, z.B. nichts als Zucker essen und wird bei adäquater Energiebilanz nix zunehmen (etwaige gesundheitliche Aspekte blende ich mal aus).
Ich habe so das Gefühl, unterschwellig fließt mit dem Low-Carb-Trend die Hoffnung/Illusion mit, man könne futtern, was das Zeug hält und nimmt dabei nix zu.


RE: low carb - melanieee - 19.12.2008

Meine partnerin und ich haben im Zuge der Makronährstoff Übung eine Arbeit über high-protein diets geschrieben und ich habe mich somit seeehr ausführlich mit dem thema beschäftigt und ja auch viel recherchiert, also wir haben keine einzige repräsentative langzeitstudie gefunden.
nur kurzzeitstudien (über 1 jahr meistens). und diese habe schon signifikant ergeben dass er gewichtsverlust größer ist und man mehr fett abdominal verliert als bei mischkost. die blutwerte haben sich bei beiden gruppen verbessert, allerdings bei der lc gruppe sind vorallem die triglyceride sehr gesunken etc. der hauptgrund war aber auch dass die lc gruppe durch die ketose einfach nicht so den argen hunger verspürt hat im vergleich zur hc gruppe, was sicherlich ganze entscheidend ist für den erfolg der diät. ja...also so gesehen muss man lc diäten nicht gleich verteufeln, wenn jemand sag ich mal einen motivierenden einstieg braucht um große mengen an gewicht zu verlieren ist das sicherlich nicht schlecht mit lc zu beginnen, ausserdem muss man sich bei lc besonders eingehend mit nährwert angaben beschäftigen, eben wegen der kh-menge und ich denk mal dabei entsteht dann auch ein anderer bezug zum essen. als dauerkost kann ich es mir auch überhaupt nicht vorstellen, aber ja, wie gesagt mich würde dazu echt ne langzeitstudie interessieren.