23.10.2009, 18:22
hallöchen,
war heute selber für zwei stunden dort - und kann den hier vermittelten eindruck ganz und gar nicht bestätigen. es war absolut friedlich, vorne auf der bühne wurde musiziert, es liegt zwar ein bissl müll in der gegend (auch nicht wirklich viel) und die wände sind mit kreide angemalt bzw. sind eben ringsum plakate hingeklebt, aber von einer art "zerstörung" hab ich genau garnix gesehen. man sollte nicht alles blind nachplappern, was irgendwo als pressemitteilung von der uni verbreitet wird. betrunkene studis sind mir ebenso keine untergekommen (ok, war nachmittag). kurzum: was ich gesehen hab, war absolut zivilisierter protest mit ein bissl partystimmung vermischt, nicht mehr und nicht weniger.
was die sache anlangt, so werde ich mich jetzt nicht zu sehr auslassen, weil die gesamtthematik zu komplex ist, um in einem posting alles halbwegs abzudecken. hier daher nur ein paar ganz wenige fragen zum nachdenken:
1. waren die studienbedingungen vor 1-2 jahren mit den damals flächendeckend geltenden studiengebühren besser als jetzt? (nein)
2. hat sich die gesamtstudierendenzahl bzw. der anteil deutscher kolleginnen gegenüber der zahl vor zwei jahren nenneswert verändert? (nein)
3. glaubt hier tatsächlich jemand, dass ew bachelors auch nur halbwegs brauchbare jobaussichten haben und glaubt er/sie daher auch, dass es sinnvoll wäre, nur 20-30% in den master weiter zu lassen? (einzelne unbelehrbare glaubens offenbar, die realität schaut anders aus)
4. glauben die master-(oder generellen) knockout-verfechter tatsächlich, dass es "faire" und völlig objektive zugangsbeschränkungen gibt bzw. glauben diese, dass das schaffen von zugangshürden für alle gruppen von studierwilligen personen (z.b. maturanten aus einer akademikerfamilie vs. alleinerziehende, berufstätige mütter) eine "ident schwierige" barriere darstellt bzw. dass studierende mit "atypischem" lebenslauf (u.u. viel praktische erfahrung und soziale kompetenz, aber kein so aktuelles theoriewissen wie ein maturant, der grad frisch aus der privatschule kommt) automatisch schlechter für ein studium geeignet sind?
5. kosten "karteilleichen" der uni geld und nehmen "studieninaktive" studis (gegen welche gewettert wurde) den kolleginnen plätze weg? (nein)
6. glaub irgendwer ernsthaft, dass nach reduktion der studizahl die bedingungen automatisch besser werden? hat er/sie sich schonmal überlegt, dass nur mit den damals eingenommenen studiengebühren auf der ew locker 2 dutzend neue mitarbeiter am ifew, die für traumhafte studienbedingungen gesorgt hätten, eingestellt werden hätten können. ist das passiert? warum nicht? kann es sein, dass lehre an der uni mit ihren internationalen forschungsrankings einfach keine prioritäre zielsetzung ist, dass geld lieber ganz woanders hin umgeschichtet wird, wenn weniger studis, dann eben noch weniger geld für die lehre?!
es gäbe noch viele weiteren aspekte, ich will damit schlicht und einfach zeigen, dass die in politischer propagande gerne eingesetzte schwarz-weiss-malerei in dem fall nix bringt. der minister freut sich sicher gewaltig, wenn sich die studis gegenseitig niederknüppeln, statt geschlossen gegen die seit jahren praktizierte finanzielle aushungerung des hochschulsektors zu protestieren.
wenn der streik nächste woche noch weitergeht, dann stelle ich zur diskussion, ob die ew sich da nicht auch irgendwo anschließen sollte. weil ärger können die zustände wohl kaum noch werden, als sie es die letzten fünf jahre mitsamt studiengebühren waren!
kau.mi
war heute selber für zwei stunden dort - und kann den hier vermittelten eindruck ganz und gar nicht bestätigen. es war absolut friedlich, vorne auf der bühne wurde musiziert, es liegt zwar ein bissl müll in der gegend (auch nicht wirklich viel) und die wände sind mit kreide angemalt bzw. sind eben ringsum plakate hingeklebt, aber von einer art "zerstörung" hab ich genau garnix gesehen. man sollte nicht alles blind nachplappern, was irgendwo als pressemitteilung von der uni verbreitet wird. betrunkene studis sind mir ebenso keine untergekommen (ok, war nachmittag). kurzum: was ich gesehen hab, war absolut zivilisierter protest mit ein bissl partystimmung vermischt, nicht mehr und nicht weniger.
was die sache anlangt, so werde ich mich jetzt nicht zu sehr auslassen, weil die gesamtthematik zu komplex ist, um in einem posting alles halbwegs abzudecken. hier daher nur ein paar ganz wenige fragen zum nachdenken:
1. waren die studienbedingungen vor 1-2 jahren mit den damals flächendeckend geltenden studiengebühren besser als jetzt? (nein)
2. hat sich die gesamtstudierendenzahl bzw. der anteil deutscher kolleginnen gegenüber der zahl vor zwei jahren nenneswert verändert? (nein)
3. glaubt hier tatsächlich jemand, dass ew bachelors auch nur halbwegs brauchbare jobaussichten haben und glaubt er/sie daher auch, dass es sinnvoll wäre, nur 20-30% in den master weiter zu lassen? (einzelne unbelehrbare glaubens offenbar, die realität schaut anders aus)
4. glauben die master-(oder generellen) knockout-verfechter tatsächlich, dass es "faire" und völlig objektive zugangsbeschränkungen gibt bzw. glauben diese, dass das schaffen von zugangshürden für alle gruppen von studierwilligen personen (z.b. maturanten aus einer akademikerfamilie vs. alleinerziehende, berufstätige mütter) eine "ident schwierige" barriere darstellt bzw. dass studierende mit "atypischem" lebenslauf (u.u. viel praktische erfahrung und soziale kompetenz, aber kein so aktuelles theoriewissen wie ein maturant, der grad frisch aus der privatschule kommt) automatisch schlechter für ein studium geeignet sind?
5. kosten "karteilleichen" der uni geld und nehmen "studieninaktive" studis (gegen welche gewettert wurde) den kolleginnen plätze weg? (nein)
6. glaub irgendwer ernsthaft, dass nach reduktion der studizahl die bedingungen automatisch besser werden? hat er/sie sich schonmal überlegt, dass nur mit den damals eingenommenen studiengebühren auf der ew locker 2 dutzend neue mitarbeiter am ifew, die für traumhafte studienbedingungen gesorgt hätten, eingestellt werden hätten können. ist das passiert? warum nicht? kann es sein, dass lehre an der uni mit ihren internationalen forschungsrankings einfach keine prioritäre zielsetzung ist, dass geld lieber ganz woanders hin umgeschichtet wird, wenn weniger studis, dann eben noch weniger geld für die lehre?!
es gäbe noch viele weiteren aspekte, ich will damit schlicht und einfach zeigen, dass die in politischer propagande gerne eingesetzte schwarz-weiss-malerei in dem fall nix bringt. der minister freut sich sicher gewaltig, wenn sich die studis gegenseitig niederknüppeln, statt geschlossen gegen die seit jahren praktizierte finanzielle aushungerung des hochschulsektors zu protestieren.
wenn der streik nächste woche noch weitergeht, dann stelle ich zur diskussion, ob die ew sich da nicht auch irgendwo anschließen sollte. weil ärger können die zustände wohl kaum noch werden, als sie es die letzten fünf jahre mitsamt studiengebühren waren!
kau.mi

