22.08.2008, 07:00
Ponder_Stibbons schrieb:Bolt's Leistung möchte ich nicht schmälern, aber der Profisport muss meiner Meinung nach schon seit langem kritisch betrachtet werden. Bis an die Grenze der Legalität ist ohnehin jeder Athlet vollgepumpt und allzu oft leider auch darüber hinaus. Es wird eine Menge Geld in die Erforschung neuer leistungsfördernder Mittel gesteckt; deren Verwendung sollte nach Möglichkeit nicht nachweisbar sein. Wieviel der Mensch an sich leistet ist kaum mehr feststellbar.Diese Sichtweise ist mehr als eingeschränkt und hat Probleme.
Erstens: auch wenn im Profisport - egal welcher Sportrichtung - vermutlich ohne eine entsprechende ärztliche Betreuung mit erlaubten/unterlaubten oder an der Grenze der Legalität befindlichen Mitteln gearbeitet wird, muß man dennoch festhalten, dass ein Sportler solange als sauber gilt, bis er nach den Dopingregeln als Dopingsünder aufgedeckt wird.
Zweitens: die ganze Dopingdiskussion suggeriert immer wieder - und dein Post zeigt meiner Meinung nach genau in diese Richtung - dass man einfach Dopingmittel/Medikamente konsumieren braucht und man ist vorne mit dabei. Dabei wird schlichtweg vergessen, dass ohne hartes/intensives/umfangreiches Training gar nix geht. Dopingmitteln ermöglichen in aller Regel nur, dass man härter/intensiver/umfangreicher trainieren kann.
Vielmehr ist eher das Gegenteil der Fall - Doping ist lediglich das i-Tüpfelchen. Zum Erfolg gehören viel mehr Komponenten als das Doping: mentale Einstellung, Talent (als Sammelbegriff was der Sportler von den Eltern mitbekommen wie Genetische Prädisposition usw.), beinhartes, jahrelanges Training, Mut zum Risiko in vielerlei Hinsicht, Ernährung, Stoffwechsel usw.
Drittens: rund um das ganze Doping wird extrem viel mystifiziert und geredet. Der eine hat vom anderen gehört, dass... Sprich: es gibt keine Fakten, darum gibt es so viele Verdächtigungen. Die Meinungen gehen von alle sind vollgepumpt bis hin zu sauber, solange kein pos. Dopingbefund. Die Realität wird vermutlich irgendwo dazwischen liegen.
Viertens: es leistet immer noch der Mensch alles selbst, auch wenn er bis unter die Nase mit Dopingmitteln vollgepumpt ist. Denn, solange der Mensch die Leistung nicht mehr bringt, wird er ohnehin von der betreffenden Sportart ausgeschlossen. Sprich: im 100-Meter-Lauf läuft immer noch ein Mensch, fährt er diese mit dem Motorrad, würde er gar nicht starten können. Die Leistung stammt immer noch zu 100% aus Muskelkraft, resp. dem Sportler selbst. Die Fragestellung ist vielmehr, wie hoch ist der Anteil möglicher Dopingmittel am Sieg? Und das scheiden sich die Geister, Angaben findet man von 5-40% in div. Foren und Medien.
Fünftens: der jetzige Anti-Doping-Kampf hat bereits z.T. dermaßen obskure Auswüchse erreicht, dass man als Sportler schon vorverurteilt wird, bevor man überhaupt Gelegenheit bekommt, seine Unschuld zu beweisen. Sprich, so wie die Dopingjäger mit Sportlern umgehend, ist das ärger als mit einer Horde Vieh. Das reicht von um-1-Uhr-morgens aus dem Bett holen für eine Dopingkontrolle bis hin zur stündlichen Überwachung (Leistungssportler ab einem gewissen Leistungsniveau müssen Tage/Wochen vorher dem OEADC, jetzt NADA, melden, wo sie wann (Tag, Uhrzeit) sein werden. Bitte, wo sind ma denn? Solche Methoden gab's in den ärgsten Diktaturen nicht!

