(17.02.2010, 13:03)staudi schrieb: richtig. wenn du mal den master of science in der tasche hast, ist es glaub ich gar nicht mehr so wichtig, ob du jetzt biologie, ernährungswissenschaften oder chemie studiert hast..
Viel wichtiger wird - zum Glück - zunehmend, was du kannst und nicht, wer du am Papier bist.
Habe in meinem Hauptstudium, ein echtes "Massenstudium", gesehen, wie viele Studenten da drin sitzen, nur um einen Abschluß in der Tasche zu haben. Von Können, sprich, Anwenden des gelernten Wissens auf praktische Problemstellungen, keinen blassen Schimmer. Und das am Ende des Magisterstudiums.

Da darf man sich auch nicht wundern, wenn die Einstiegsgehälter unter aller Kritik sind von fertigen Akademikern in gewissen Berufen. Als Chef allerdings sehe ich die Sache auch nicht anders, als sie ist: sehr viele Absolventen können zwar super aus Optionen eine Richtig AW wählen (Stichwort MC), sich aber Lösungsvorschläge konkreter Problemstellungen zu erarbeiten, da mangelt es ordentlich. Genau das aber ist als Hochschulabsolvent unbedingt erforderlich, sonst kann die Tätigkeit auch eine Arbeitskraft niedrigerer Qualifikation (am Papier) erfüllen.
(07.03.2010, 11:33)barilla schrieb: Ich hab mir immer gedacht, Ernährungswissenschaften is halt ein eher neues Gebiet, das sich erst etabilieren muss - aber irgendwie hat sich nie was getan - ich hab keine konkreteren Vorstellungen von meinem zukünfigen Job als am Beginn des Studiums.
Und ehrlich, ich hab zu studieren begonnen, um mal einen tollen Job zu haben (sonst könnt ich auch Ernährungsbücher lesen) und nicht um mich dann mit Absolventen anderer Fachsbereiche um eine Anstellung zu fetzen.
Nun, es wird zwar die mangelnde Spezialisierung hier immer wieder als ein Problem des EW-Studiums genannt. Ich sehe das etwas anders, auch in meinem Hauptstudium hatte ich damals eigentlich genau aus dem Grund (mangelnde Spezialisierung) das Studium gewählt. Als ich mein Hauptstudium im Jahre 2000 begann, war in AT der FH-Boom schlechthin. Die FH als Spezialistenschmiede lag bei Arbeitgebern wie auch Politikern besonders hoch im Kurs. Zahlreiche meiner Maturakollegen von damals sind der Versuchung erlegen und haben die FH gewählt. Die Aussicht auf einem Job unmittelbar danach war gut, das haben mir fast alle unisono berichtet. Aber, und jetzt kommst: wie hatten keine Perspektive danach. Genau wegen der Spezialisierung. Man ist Fachidiot, wird natürlich als solcher auch von den Arbeitgebern nicht selten auch behandelt. Zukunftsperspektiven oft im jeweiligen Job düster (wird sicherlich unterschiedlich sein), Monotonie im Job stellt sich ein. Was ich aber sagen will, dass genau das große Manko mit der bis in den Exzess betriebenen Spezialisierung der mangelnde Weitblick einher geht.
Dieser Umstand war mir damals - jetzt im Nachhinein zum Glück - zuwider. Ich entschied mich vs. FH und ging auf die Uni, noch dazu ein Massenstudium, bei dem der Student nicht mal eine Nummer ist, sondern als lästiger Zeitgenosse lieber aus der Uni rausgeprüft wird.
Da mir die Theorie immer blöder wurde, habe ich halt neben dem Studium mir einer wirtschaftlichen Tätigkeit begonnen, die mir für das Studium einerseits, aber auch jetzt nach dem Abschluss andererseits, extrem viel brachte. Anfang als "Übungsfirma" gewissermaßen, habe ich - ex post betrachtet leider - mir alles selbst beibringen müssen, was extrem viel Zeit kostete und oftmals auch Geld. Ich musste notgedrungener maßen jahrelang in meiner Firma alles selbst machen (Einkauf, Verkauf, Buchhaltung, Planung, Logistik usw.), aber genau dieses Generalistentum zeigte mir erst, wo meine Stärken/Schwächen liegen und was mich interessiert. Gleichzeitig konnte ich an der Uni erlerntes in "realtime" in der Firma ausprobieren.
Insgesamt kostete es mich knapp über 9 Jahre (mit immer wieder ordentlichen Unterbrechnungen, die beruflich impliziert waren, wie leider jetzt auch grad in EW), bis ich meinen Mag. in Händen halten konnte, wobei der Titel nie das primäre Ziel für mich war, zu studieren. Ich denke auch, dass durch die lange Beschäftigung mit der Materie wesentlich mehr hängen geblieben ist, als wie wenn ich das ganze im Rahmen einer FH in 4 Jahren oder so gemacht hätte. Vor allem, weil man da nur am Lernen ist, keine Zeit hat, praktische Verbindungen aufzubauen und das Gelernte kritisch zu betrachten im praktischen Umfeld.
Ich möchte keinesfalls meine Vorgehensweise als die "alleinig richtige" darstellen, es war für mich ein sehr probater Weg, lernen zu können. Nicht nur theoretisch, sondern eben auch praktisch. Als Unternehmer ist man zwangsweise ein gewisser Generalist, und muß es auch sein, um bestehen zu können. Ich kenne hier unzählige Bsp., wie Spezialisten hier bsp-weise kläglich scheitern und im Nachhinein (oft Jahre später) ihre Ausbildung kritisieren und dieses Wissen teuer nachkaufen müssen.
Ein weiterer Punkt, den die Spezialisierung mit sich bringt, ist ihre bestehende Kurzlebigkeit. Wie schon erwähnt, erlebte ich den FH-Boom mit. Der ist ja mittlerweile gänzlich verpufft. Das Problem ist dann, dass du als Spezialist kaum schnell und einfach in einen andere Bereich wechseln kannst, weil dir das nötige Grundwissen oft fehlt. Da tust dir als "Generalist" weit leichter, du kannst dich eben leichter und schneller in etwas spezialisieren, da Zusammenhänge und Umstände bekannt sind, wenn auch vielleicht jahrelang nicht gebraucht.
EW bringt einen recht breiten NAWI-Überblick mit. Klar, damit ist man den Spezialisten (Chemiker, Physiker usw.) im jeweiligen Fachbereich immer unterlegen und für den Start ins Berufsleben mag dies auf den ersten Blick ein großer Nachteil sein, sofern man nicht gleich in die Selbstständigkeit wechselt, wovon eher ein geringer Anteil der Kollegen betroffen sein dürfte. Dennoch ist es - meiner Meinung nach - für den beruflichen Weg in Zukunft die bessere Vorgehensweise.
Dass im EW-Studium trotzdem einige LVs drinnen sind, die ungenügende oder schlechte Inhalte haben (die BWL-VO fällt mir neben Zoologie ein), ist leider Faktum.