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Verkauf von Mitschriften
#1
Zum Verkauf von Mitschriften hier ein paar Gedanken von mir:
Ich verstehe freilich den Reiz, der durch unsere sehr monetär geprägte Umwelt beinahe schon zum Instinkt avanciert ist, knappe Güter immer den Logiken des "freien Marktes" zu unterwerfen, aber im Zusammenhang mit Skripten sehe ich eine solche "Ökonomisierung" als etwas sehr Bedenkliches.
Vor dem Hintergrund, dass viele Studierende immer weiter steigende Mietpreise, generell wachsende Lebenserhaltungskosten, Gratispraktika etc. mit meist nicht besonders gut bezahlten Nebenjobs kompensieren müssen, wirkt es beinahe ein bisschen provokant, wenn dann "Kollegen" auf die "Idee" kommen, Geld mit dem Umstand zu verdienen, dass andere nicht die Zeit haben, LVs zu besuchen.
Meine Frage an alle Mitschriftenverkäufer: Schreibt Ihr nicht ohnehin hauptsächlich um eures eigenen Erfolges Willen mit? Empfindet Ihr es als ungerecht, wenn andere, die nicht jede LV besuchen können, dann auch erfolgreich abschließen können?
Natürlich will ich hier nicht behaupten, dass all jene, die Mitschriften erstellen und verkaufen nicht arbeiten müssen, bitte versteht mich
nicht falsch.
Aber: Ist das Ganze nicht irgendwie auch eine moralische Frage? Sind es nicht eher Eigenschaften wie Empathie und Solidarität, die in Zeiten eines zunehmenden Konkurrenzkampfes und einer sich wahrscheinlich noch verschlechternden Wirtschaftslage (daher mehr Arbeit & weniger Geld f. gewisse Gruppen) eine Perspektive bieten? Ist es wirklich nötig für den eigenen Vorteil von ein paar Euro Missgunst und Neid weiter zu bedienen?
Nehmt es mir nicht übel, natürlich steht es jedem frei seine Unterlagen so weiterzugeben wie sie oder er es möchte, aber das sind meine Gedanken dazu.
Tatsache ist nämlich, dass die gesamte Idee eines Studiums an einer öffentlichen Universität, eines Stipendiensystems usw. auf der Grundlage eines solidarischen Gesellschaftsmodells beruht, das wir, wenn wir unsere Mitschriften dann gegen Geld tauschen, meiner Meinung nach untergraben. Wenn wir dieses System selbst in Frage stellen, dann wird es noch leichter sein, es zukünftigen Generationen wegzunehmen oder vor zu enthalten.
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#2
Jene Leute, welche in die VO gehen und sich hinterher die Arbeit machen, alles zusammenzuschreiben können in genau der Zeit kein Geld verdienen gehen, also ist es nur fair, wenn sie einen Ausgleich für diesen Zeitaufwand verlangen ...

Und es steht ja jedem frei die Mitschrift zu kaufen oder nicht. Was ist unmoralischer daran die Mitschrift zu verkaufen, als sie gar nicht zur Verfügung zu stellen? Und wenn ich mir anschaue wieviele Mitschriften zu haben sind, und wieviele Studenten EW studieren und auch aktiv in VO gehen, ist es keine Kunst herauszufinden, dass die Meisten ihre Mitschriften gar nicht zur Verfügung stellen.

Wenn du eine Prüfung machen willst und du warst nicht in der VO, was ist dir lieber: gar keine Unterlagen zum Lernen oder Unterlagen, für die du etwas zahlen musst?

(Mitschrift verkaufen: beide freuen sich; Mitschrift für sich behalten: keiner hat was davon!)

PS: natürlich ist es mir lieber ich kriege die Mitschriften ohne etwas dafür zahlen zu müssen und ich habe auch selbst schon einige Mitschriften online gestellt, aber ich finde man sollte es auch würdigen, wenn sich Leute die Arbeit machen und eine Mitschrift erstellen...
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#3
Guten Abend!
Also zu aller erst muss ich Dir einmal sagen, dass Du hier einen Vergleich ziehst, an dem Du Gefahr läufst, Dir die Finger zu verbrennen. Denn: Wenn Du sagst, dass jemand in der Zeit, in der sie/er eine VO besucht, kein Geld verdienen kann, dann impliziert das für mich, dass diese/r jemand, es sich aussuchen kann, ob sie/er Geld verdienen geht, oder nicht. Es gibt aber - und hier spreche ich aus Erfahrung - auch Studierende, die für ihre Miete und die Energiekosten, ihr Essen etc., also für die nach Maslow niedrigsten Bedürfnisse, arbeiten gehen müssen und somit also keine Wahl haben. Diese Leute sind oft in wenig flexiblen Dienstverhältnissen, wo fix eingeteilte, ganze Tage gearbeitet werden müssen.
Bitte keine Apfel-Birne-Vergleiche, schon gar nicht vor dem Hintergrund, dass hier über nichts geringeres, als über moralisches Handeln debattiert wird.

Du willst mir doch nicht ernsthaft in einer Diskussion über etwas derart Fundamentales, wie Moral, weiß machen, dass die Idee aus Skripten, die man letztlich vordergründig für seinen eigenen Lernerfolg erstellt hat, Kapital zu schlagen, nur einen Hauch Altruismus enthält? Wo ist der soziale Gedanke in der berechnenden Handlung, etwas nur dann weiterzugeben, wenn eine monetäre Gegenleistung erfolgt? Das ist eine klare Umverteilung von unten nach oben, weil jene, welche nicht UNBEDINGT arbeiten müssen (wenn diese, wie sie es sagen es sich eben aussuchen können), Profit aus jenen schlagen, die keine Wahl haben, weil sie nur dann überhaupt studieren können, wenn sie eben zu gewissen fixen Zeiten arbeiten. Das ist - nicht böse gemeint - ein verklärter Blick aufs Thema.

Du hast recht, es steht jedem frei, mit seinen Skripten zu verfahren, wie sie/er möchte. Aber zu behaupten, eine Würdigung des Zugänglichmachens einer Mitschrift würde lediglich dann stattfinden, wenn jemand diese über eine finanzielle Gegenleistung ausdrückt, zeigt lediglich, inwieweit kapitalistische Logiken unser soziales Zusammenleben bereits unterwandert haben und, das ist traurig. Dort wo der Neid und der Argwohn den Platz der Solidarität einnehmen, könnten düstere Zeiten anbrechen.
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#4
Und was sagst du dann zu jenen, die die Mitschrift gar nicht hergeben?

Ps: ich habe meine Meinung gesagt, die Diskussion hat sich für mich erübrigt, da du eindeutig einen philosophisch interessierten Gegenspieler brauchst, und mir so etwas überhaupt nicht liegt ;-)
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